ich möchte nicht umziehen đŸ„ș

Luigi war so freundlich ein Foto zu machen:

Danke, Luigi, und buona sera.

Das Pannacotta war jedoch nur Theaterpannacota. Das erkennt man an den Balsamico-Malereien, die kein Restaurant auf seine Gerichte pinselt, das ernst genommen werden möchte.

Vor kurzem war ich im Dorf meiner Schwiegereltern in einem italienischen Restaurant, La Scala. In diesem kleinen badischen Dorf unauffĂ€llig in die Jahre gekommen - Einrichtung, Personal, Gerichte - wĂŒrde ich dieser Trattoria in Hamburg St. Pauli wenige Wochen geben, bis es als Kanone, Fiasko oder Kurze Ecke mit entsprechenden GĂ€sten wieder aufersteht. Altes Holz, gelbe Gardinen, Bierdurst und fehlende ZĂ€hne. Als erstes kommt das Schild WC nur fĂŒr GĂ€ste, als nĂ€chstes kommt das Schild wieder weg, auch egal, aber dafĂŒr geht die Zapfanlage kaputt und fortan gibt es bloß noch Astra in Flaschen und sonst nichts! Gezahlt wird kontaktlos: Anschreiben lassen.

La Scala jedenfalls verfĂŒgte ĂŒber keinen Eintrag auf Google Maps. Sicher wĂŒrde der Laden kaum ĂŒber eine 3 hinauskommen, dachte ich mir, als ich den Eintrag erstellte. Aber jetzt, einige Wochen spĂ€ter, steht La Scala mit 18 Bewertungen bei 4,1 und irgendjemand hat die Öffnungszeiten nachgetragen. DafĂŒr ist das Ambiente immer noch zwanglos.

Aber das nur nebenbei.

Ich bewerbe mich gerade um eine neue Wohnung.

Es ist die Wohnung im Flur gegenĂŒber. Sie hat 1 Zimmer mehr und eine grĂ¶ĂŸere KĂŒche. Ihr wisst ja, ich habe 2 Kinder. 2 Kinder, die mir meinen Tee nicht wegtrinken, sich nicht einmal die MĂŒhe machen, meinen Tee zu trinken, sondern die teuren BlĂ€tter trocken runterwĂŒrgen. Aber ich möchte nicht zu viel ĂŒber die zwei schreiben, sagen wir: Nach VerhĂŒtungstipps braucht ihr mich nicht zu fragen. Vor allem Tipps, weil es ja so unklar ist, wie das funktioniert.

Das Haus, in dem ich wohne, ist ein besonderes, deshalb wohne ich hier gern. Ganz in der NĂ€he ist die Obdachlosenunterkunft Pik Ass, gegenĂŒber stĂ€dtische Sozialwohnungen, im Viertel liebevoll die Favelas genannt, bewohnt u.a. auch von Gzuz. Aber lasst mich euch meine Nachbarn vorstellen:

M

M ist Privatier und eine Starkstromleitung von Vattenfall hĂ€ngt ihm in die KĂŒche rein. Vattenfall verbietet ihm die Nutzung, denn diese Leitung gehört Vattenfall. M möchte, dass Vattenfall sie ausbaut, aber Vattenfall sagt, M soll den Elektriker bezahlen, was M selbstverstĂ€ndlich ablehnt. Der zugehörige Briefwechsel beschĂ€ftigt M seit Jahren und wenn das GesprĂ€ch auf Konzerne wie Vattenfall kommt, kommt ihm der soeben runtergewĂŒrgte 1€-Kaffee wieder hoch. Ich wohne in der Wohnung seiner Oma.

Martina Semmelrogge

Martina Semmelrogge ist die deutsche Synchronstimme von Martin Semmelrogge. Damit sie dies auch bleibt, hat sie sich aufs Rauchen verlegt. Mit ihrem verkehrsunfĂ€higen, halb durchsichtigen Fahrrad (sehr viel Tesafilm) versucht sie morgens in der Straße UnfĂ€lle im Leasingwagenverkehr der BĂŒroangestellten zu provozieren, die unsere Straße als AbkĂŒrzung einer großen Kreuzung nutzen.

Flipp, der GrashĂŒpfer

Flipp ist hager, höflich und sein ParfĂŒm riecht man noch Minuten spĂ€ter im Treppenhaus. Kopfnote: Estragon, Bergamotte, Orangeat - Herznote: Grasse-Jasmin, Maiglöckchen und als Basisnote: PferdrĂŒde. Wenn sich die Hausgemeinschaft zum gemeinsamen Snack op de Trepp trifft, ist er nie dabei. Auf seiner Fußmatte steht Buhne 18 - dort ist er dann, vermutlich, an einer Strandbar auf Sylt.

M2

M2 ist Leser dieses Newsletters und zu knauserig, sich eine Dunstabzugshaube zu kaufen, obwohl es bei EDEKA vor kurzem eine fĂŒr 20 Euro gab, worauf ich ihn hinwies Ausrufezeichen. Das Treppenhaus darf seine Freiberufler-KĂŒchenkunst mitatmen. Sein Lieblingsgericht ist Bulette mit Pommes und MischgemĂŒse. Manchmal macht er auch Suppe mit KlĂ¶ĂŸen. Ich habe ihn noch nie auf einem Fahrrad gesehen, dafĂŒr ist er Theaterjogger. Im Umgang mit mir profitiert er von seinem Zivildienst bei Kindern mit besonderen BedĂŒrfnissen.

Der Polizist mit der Pferdehaarallergie

Der Polizist ist Theaterpolizist, also kein echter Polizist. Er spielt Saxophon im Polizeiorchester und ich sehe ihn deshalb hÀufig unerwartet in der Stadt. Ein neuer Baum wird gepflanzt, eine öffentliche Toilette eingeweiht, Kinderfest im Park - das Polizeiorchester spielt den langweiligen Scheiss den wir alle schon 1000x gehört haben. Der Theaterpolizist hat seinen Balkon derart mit Möbeln zugestellt, dass der Anblick an die Silhouette Singapurs erinnert. Ich habe noch nie mit ihm gesprochen. Die Pferdehaarallergie habe ich mir ausgedacht.

W

W glaubt, dass die letzten StromausfĂ€lle in Hamburg kein Zufall waren. W sagt, zum GlĂŒck ist Strom unsichtbar. Als er im Urlaub war, haben wir ihm aus Versehen einen digitalen StromzĂ€hler einbauen lassen. Der Handwerker hatte gesagt: Jeder bekommt einen. W war bei seiner RĂŒckkehr nicht erfreut. Ich sagte ihm, dass ich seinen StromzĂ€hler schon im WLAN gesehen habe.

Meter

Der einzig normale Hausbewohner. Trotz des Klopapiers, das er hortet:

Most people ignore poetry because poetry ignores most people

Happy to be hairy

Happy to be hairy

When the breezes tickle

The hairs of my body

Happy to be hairy

Happy to be hairy

Next best thing

To having feathers

The Apemen's hairy body song - Adrian Mitchell

Mineral B Element Pro von DeBuyer

GleichmĂ€ĂŸige Erhitzung, schnelle ErwĂ€rmung, diese Edelstahlpfanne wiegt 3 Kilogramm und wenn ich sie nicht auf dem Herd habe, trage ich sie sportlich um den Hals oder benutze sie als Fahrradschloss. Sie ist unbeschichtet, komplett recyclebar und funktioniert auch ohne Batterien. Die Patina erinnert mich jedes Mal an die drohenden Folgen des Klimawandels.

Diese Pfanne wĂ€re eine sehr gute Investition fĂŒr meinen Nachbarn M2, der hier ohne Dunstabzugshaube mitliest und, so meine Vermutung, Buletten ohne Pfanne brĂ€t. Die Mineral B Element Pro kann auf einem Gas- oder Ceranherd, aber auch auf einem Nachtspeicherofen oder ĂŒber einer offenen Kerze betrieben werden.

Mein einziger Kritikpunkt: Ohne Griff wÀre die Pfanne noch vielseitiger einsetzbar, z.B. als Pfanne ohne Griff oder Sandkastenförmchen.

Danke,

Meter